Shabby Gewürzregal

30. Dezember 2016

Als ich die Backsteinwand in der Küche freigelegt hatte, stieß ich auf ein Problem. Auf der linken Seite befand sich ein Schornstein und der hatte natürlich im Laufe der Jahrzehnte die eine oder andere Öffnung für ein Ofenrohr, eine Dunstabzugshaube oder ähnliches bekommen. Alte Öffnungen waren natürlich nicht mehr mit Backsteinen verschlossen worden, sondern einfach mit Mörtel, so dass ich da nun Mörtel-Placken hatte.

Da blieb nur eins: Da musste ein Regal mit Rückwand hängen. Der Platz neben dem Herd war ohnehin prädestiniert für ein Gewürzregal.

Eine einfache Lösung. Blöd allerdings, wenn man das passende Regal nicht besitzt und das Budget es nicht vorsieht, zur Zeit für solche nicht wirklich notwendigen Kinkerlitzchen Geld auszugeben. Naja, dann muss man eben etwas Geduld haben und warten.

 

Das ist ja so eine Sache mit der Geduld bei mir…*hüstel*

 

Auch diesmal hatte ich die Geduld nicht. Ein Regal sollte her und zwar pronto. Und wenn dazu die Moneten fehlen, dann muss ich halt selbst was basteln.

Es wäre vermessen und gelogen, wenn ich behaupten würde, dass ich an dieses Projekt siegessicher herangegangen wäre. Nein, mitnichten! Eigentlich traute ich es mir nur mäßig bis gar nicht zu, ein Regal selbst zu bauen. Also so richtig bauen, nicht nur fertige Regal-Konsolen unter ein Brett schrauben. Das war ja einfach (aber selbst bei sowas bekomme ich es durchaus fertig, dass das schief und krumm wird).
Aber ich hatte hier ja nun etwas andere Vorstellungen, wie das aussehen sollte und ob ich das hinbekommen würde, so dass es auch wirklich gut aussieht…?

Da ich aber nur mit Holzabfällen arbeitete, also vorhandene alte Bretter, Leisten und Reste von alten Dielen nutzte, hatte ich ja nicht viel zu verlieren.
Dazu wollte ich noch ein altes Sperrholz-Schubladen-Kästchen vom bekannten Möbel-Schweden, das ich noch hatte, verwursten und dann fand ich noch eine alte Hakenleiste mit oben halbrund geschwungenem und geschliffenem Rand (so, wie ich das niemals selber machen könnte, wie ich es aber gerne haben wollte).
Aus all dem sollte nun also ein schickes Shabby-Gewürzregal entstehen.
Puhhh! Ich war skeptisch, ob das klappen würde. Aber egal! Versuch macht schließlich kluch. Und wenn es schief ging und doof aussah, konnte ich das Endprodukt ja einfach verschämt im Sperrmüll versenken.

Eine Woche lang bastelte ich jeden Abend nach der Arbeit an meinem Werk. Zuerst die Rückwand aus Dielenresten, die mir vom Boden im Flur übrig geblieben waren. In diese fügte ich oben die Hakenleiste (natürlich ohne Haken) ein, so dass der obere Rand schön geschwungen war. Sie war natürlich leider nicht breit genug, so dass ich sie an beiden Seiten mit Leisten ergänzen musste.

Ungestrichen sah das zu dem Zeitpunkt noch komplett Banane aus und ich war nach wie vor skeptisch, ob das alles wirklich was werden würde. Aber glücklicherweise habe ich Phantasie und konnte mir vorstellen, dass es vielleicht doch ganz passabel aussehen würde, wenn es erst alles weiß gestrichen wäre.

Dann machte ich zwei Borde aus einer vorhandenen MDF-Platte. Aus selbiger sägte ich auch die Seitenstücke der Borde viertelkreisförmig aus. Nun wurde noch das Schubladen-Kästchen eingebaut.

Es sah immer noch Banane aus. Und teilweise sah man schon, dass natürlich nicht alles 100% passte. Hier fehlte ein Zentimeter, da war einer zu viel…

Ich kann einfach nicht absolut gerade und genau. Konnte ich noch nie. Das muss bei mir genetisch einprogrammiert sein, dass alles irgendwie leicht schief und krumm wird, egal wie oft ich etwas ausmesse, die Wasserwaage anlege oder was auch immer mache.

Im Hintergrund meines Kopfes hörte ich die Stimme meines Ex: „Das ist doch schief!“

Tzzzz! Was hatte der denn noch zu melden? Jetzt erst recht! Ich machte weiter, schraubte und klebte alles zusammen, verschmierte die Ritzen, Fugen und Ungenauigkeiten mit Acryl und strich alles weiß an.

Ahhhhh! Das sah doch schon ganz anders aus. Nach dem zweiten Anstrich bekam das Ganze noch ein Finish mit einem aufgemalten Schriftzug (aus dem PC ausgedruckt, ausgeschnitten und mit Permanent-Marker nachgemalt) und zwei Sternchen und zu guter Letzt wurden die Kanten shabby-mäßig abgeschliffen.

Und es gefiel mir.
Es gefiel mir richtig gut.
Und ich war soooooooooooooooooooooo stolz

Niemals würde mir ein gekauftes Regal so viel Freude machen, wie dieses aus Holzresten zum Null-Tarif selbst gebaute! Das war doch mal wirklich ein feines Upcycling von Dingen, die ansonsten zumindest teilweise über kurz oder lang auf dem Sperrmüll gelandet wären.

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