Wie alles begann

Im Sommer 2014 zerplatzte mein Traum vom trauten Familienleben mit Mann, Haus, Garten und Katzen. Mir kam der Mann abhanden und damit verlor ich auch Haus und Garten. Was mir blieb, waren meine Katzen und mit diesen stand ich ohne Dach über dem Kopf da und es ist recht schwierig mit sieben oder mehr Katzen eine Mietwohnung zu finden (warum ich so viele Katzen habe, kann man leicht nachvollziehen, wenn man meine Homepage www.lucina-cats.de besucht).

Da ich aber kein Kind von Traurigkeit bin und mich zu den unverbesserlichen Stehaufmännchenweibchen zähle, galt es, die Ärmel hochzukrempeln und sich etwas auszudenken. Eine neue Bleibe musste her. Und wenn der Traum nun Mann, Haus, Garten war, das mit dem Mann aber halt nicht klappen wollte, dann musste es nun eben ohne Mann gehen. Deswegen wollte ich nicht gleich auch noch den Traum von Haus und Garten aufgeben.

Der liebe Gott oder das Schicksal meinten es gut mit mir. Die Zeiten waren denkbar günstig für einen Hauskauf. Die Zinsen so niedrig wie noch nie und die Finanzierer prügelten sich förmlich, um solventen Kunden Kredite an den Bauch zu nageln.

Das mit dem „solvent“ hatte bei mir zwar durchaus seine Grenzen, denn das Budget war äußerst begrenzt, aber es klappte. Nach gar nicht allzu langer Zeit der Suche fand sich das richtige Haus. Richtig meint hierbei, dass mein Herz bei diesem Haus laut „Jaaaaaaaa“ schrie, nicht, dass es unbedingt vernünftig gewesen wäre. Vernünftig wäre natürlich gewesen, ein Haus zu kaufen, das einigermaßen fertig bewohnbar ist, denn ich bin schließlich kein Handwerker und da das Budget eben sehr begrenzt war, blieb für aufwendige Renovierungen kaum Geld übrig.

Aber da war nun diese alte Haus (genauer gesagt die Doppelhaushälfte) von 1928, bei dessen Anblick von außen ich schon innerlich jubilierte, denn es hatte genau den Stil, den ich mag, lag genau da, wo ich es haben wollte und hatte einen nach Süden gerichteten sonnenverwöhnten ausreichend großen Garten. Damit waren schon mal drei sehr wichtige Voraussetzungen erfüllt.

Vermutlich fragen sich viele beim Anblick dieses Bildes, das ich bei der ersten Besichtigung im Spätsommer 2014 machte, warum man bei diesem Haus nun anfängt zu jubilieren. Sicher, es gibt viel schönere Häuser. Die meisten davon liegen allerdings weit jenseits meines Budgets und ich mag einfach diesen klassischen Stil der dreißiger Jahre.

Wie viele Häuser in dieser Straße und in diesem Stadtteil wurde das Haus von der Bremer Wollkämmerei errichtet.

Leider wurde bei den Renovierungen in den sechziger Jahren einiges vom ursprünglichen Stil zerstört. Ursprünglich gab es natürlich kein einzelnes Fenster mit einer großen Glasscheibe vorne, das dem Haus eine vergleichsweise leere Ausstrahlung gibt, sondern zwei kleinere Sprossenfenster nebeneinander und natürlich gab es auch keine Glasbausteine neben der Haustür. Das war in den Sechzigern ja beides der Hit, aber neben der Tatsache, dass die Glasbausteine auch energetisch gesehen eine mittlere Katastrophe sind, finde ich sie genauso hässlich und entstellend wie das Flächenfenster (beides ist hier mittlerweile verschwunden, aber dazu später mehr).

Der Bausplan zeigt, wie es mal war und wie es auch sein sollte, damit das Haus auch ein schönes Gesicht hat.

Die ebenfalls zu dieser Zeit errichtete Betongarage und die vielen Waschbetonplatten im Vorgarten und der Auffahrt, sowie ein plumper Metallzaun komplementierten den entstellten Look.

Über all diese Hässlichkeiten musste ich erst mal hinwegsehen und das tat ich auch, denn der grundsätzliche  Stil des Hauses war schön und entsprach dem, was ich suchte.

Als ich das Haus dann innen besichtigte, eröffnete sich allerdings erst die richtige Katastrophe. Die Bausubstanz war gut, aber es gab einen jahrzehntelangen Renovierungsstau und das, was von den Vorbesitzern gemacht worden war, war in meinen Augen eher eine „Verschlimmbesserung“ (viel PVC, überklebte Dielenböden, übertapeziertes Holz etc.).

Es wurde sehr schnell klar, dass man innen so ziemlich nichts so lassen konnte, wie es war und das Ganze schon fast Kernsanierung genannt werden konnte. Von der Heizung über Fenster, Wände, Böden, Sanitärobjekte, Rohrleitungen, Elektrik…eben alles.

Man muss schon ein bisschen bekloppt sein, um sich sowas ohne den dementsprechenden finanziellen Hintergrund ans Bein zu binden. Über einen Mangel an Beklopptheit kann ich ja aber nicht klagen. Das mir zur Verfügung stehende Kontingent dahingehend reicht sicher bis an mein Lebensende aus. Zudem hatte ich genug Phantasie, um mir vorzustellen, wie es einmal aussehen könnte und ich war verliebt in das Haus, so dass ich nicht lange überlegte und kaufte.

Die fatale Ausgangslage im Inneren des Hauses ist zu lesen auf Das Haus 2014.

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Kommentar

Zum Glück warst Du so bekloppt :-).

Ja *lach*, zum Glück! Und Du hast ja auch Deinen Anteil dran, da Du mich in meiner „Beklopptheit“ bestärkt hast. Danke dafür!